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Entwicklungshemmender Medienkonsum
Vortrag im Marienhospital
“Von Anfang an – Miteinander sprechen und zuhören“ heißt das Thema eines Vortrags für Eltern und andere Interessierte, der am Montag, 17. Juli im Marienhospital Stuttgart stattfindet. Die etwa zweistündige Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr im Konferenzraum 128 auf der Eingangsebene M0 des Marienhospital-Hauptgebäudes in der Böheimstraße 37. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung nicht erforderlich. “Schon im Mutterleib können Babys hören. Bereits in der Schwangerschaft wird also beim Kind die Basis für das spätere Sprachvermögen gelegt“, sagt Andreas Seimer. Er ist ärztlicher Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie des Marienhospitals. In dieser Funktion hat er viel mit Kindern zu tun, deren Hör- und Sprachentwicklung gestört ist. Sie können beispielsweise die Wörter “sieh“ und “Ski“ oder “Tanne“ und “Kanne“ nicht voneinander unterscheiden. Das hemmt nicht nur die Entwicklung der Sprache und des Verhaltens, sondern führt zudem im Schulalter häufig zu schlechten Noten im Diktat. “Es gibt verschiedene Ursachen für solche Sprachentwicklungsstörungen. Eine wichtige ist zu hoher Medienkonsum“, so Andreas Seimer. Die akustische Dauerberieselung durch Fernsehen oder Radio verhindert, dass Kinder Laute klar zu differenzieren lernen. “Der Unterschied zwischen ähnlich klingenden Wörtern wie etwa Kanne und Tanne besteht in minimalsten Tonhöhenveränderungen oder Pausen im Millisekundenbereich.“ Stundenlanger Medienkonsum führe dazu, dass Kleinkinder wegen der dauernden “Nebengeräusche“ das nötige Differenzierungsvermögen nicht entwickeln können. “Manche Mütter stillen ihre Kinder, während sie fernsehen. Es findet somit beim Stillen keine Kommunikation zwischen Mutter und Kind und keine echte Nähe statt. Kontakte durch Blicke, Laute, Berührungen und so weiter sind aber für eine normale Sprachentwicklung unabdingbar“, sagt der Facharzt. “Wir wollen das Fernsehen nicht generell verteufeln. Aber zugleich möchten wir Eltern, werdenden Eltern, Erziehern und Ärzten mit unserer Veranstaltung zeigen, was man Gutes für das Sprachvermögen der Kinder tun kann“, so Andreas Seimer. Der Einführungsabend wird von der Abteilung Phoniatrie und Pädaudiologie des Marienhospitals und von der Stuttgarter “Akademie für gesprochenes Wort“ veranstaltet. Deren Direktorin Professor Uta Kutter wird darüber informieren, wie Eltern das Sprachvermögen ihrer Kinder positiv fördern können. Marienhospital und “Akademie für gesprochenes Wort“ wollen hierfür in Zukunft ein entsprechendes Kursprogramm anbieten. Den Eltern soll dabei gezeigt werden, wie sie mit Kinderliedern, Reimen, Spielen und Geschichten die Hör- und Sprachentwicklung ihrer Kinder fördern können. Die Veranstaltung im Marienhospital findet in Kooperation mit dem “Bündnis für das Singen mit Kindern“ und mit dem neuen klinikeigenen Familienzentrum statt, das sich momentan im Aufbau befindet. |
12.07.2006
