News


Schillergrab zerstört
"Im Namen der Wissenschaft"

Wer den Fangelsbachfriedhof von der Cottastraße her betritt, traut seinen Augen nicht. Das Grabmal von Freiherr Carl von Schiller ist dem Erdboden gleichgemacht. Das denkmalgeschützte Grab wurde in einer Nacht und Nebelaktion abgeräumt.

151 Jahre hatte er Ruhe, der Sohn des bedeutendsten deutschen Dramatikers Friedrich Schiller. Aber schon lange quälten sich "Wissenschaftler" mit der Frage, welcher Totenschädel denn nun der von dem berühmten Dichter ist, an dem kein Schulkind vorüberkommt. Die wiederum lernen jedoch, dass das literarische Werk von wissenschaftlichem Interesse ist. Von einem Totenschädel ist da nicht die Rede.

Ist es denn wirklich so wichtig zu wissen, ob man vor mehr als 180 Jahren Schiller den richtigen Totenschädel zugeordnet hat, nachdem der 21 Jahre vorher in einem Massengrab beigesetzt worden war? Den Wert seines Lebenswerkes wird es sicher nicht berühren.

Die Frage ist natürlich auch, ob man das Grab von drei anderen Toten schänden darf, um dieses Rätsel zu lösen. Aber die "Wissenschaft" benötigte unbedingt Schiller'sche DNA, Ethik hin, Totenruhe her.

Zeitungsberichten folgend ist unser OB Wolfgang Schuster der Meinung man darf. Die verantwortlichen in Gerlingen, wo die jüngste Tochter Schillers und sein Vater begraben sind, sind da ganz anderer Meinung: "Unserer Ansicht nach ist die Totenruhe höher zu werten als der wissenschaftlich Zweck". Und selbst dieser "wissenschftliche Zweck" hat eher das Niveau einer der allabendlichen Fließband-Krimiserien, die bekanntlich auch nicht ohne DNA-Untersuchungen auskommen.



31.03.2008