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Bevor´s chronisch wird
Schmerztherapie am Marienhospital
Rund acht Millionen Bundesbürger leiden unter schweren Dauerschmerzen. In Deutschland fehlt es aber an Medizinern, die diese Patientengruppe adäquat behandeln. „Das liegt daran, dass es nur wenige Schmerztherapeuten gibt und dass die Schmerztherapie schlecht bezahlt wird“, sagt Dr. Ulrich Köster. Der 56-jährige Anästhesist verfügt über die Zusatzqualifikation „Spezielle Schmerztherapie“. Er leitet die neue „Sektion Spezielle Schmerztherapie“ des Marienhospitals. Bislang war Ulrich Köster fast ausschließlich für die Behandlung stationärer Patienten zuständig. Er wird immer dann konsiliarisch von allen Fachabteilungen des Hauses hinzugezogen, wenn dort Patienten mit schweren Schmerzen behandelt werden müssen. Darunter sind Kranke, die unter Schmerzen in Folge eines Karpaltunnelsyndroms an der Hand leiden ebenso wie Krebspatienten mit Tumorschmerzen oder Orthopädiepatienten mit chronischen Rückenschmerzen. Die Behandlung stationärer Patienten wird auch weiterhin ein Schwerpunkt Dr. Kösters bleiben. Die Therapie soll jetzt interdisziplinär erfolgen; also in Zusammenarbeit mit Psychosomatikern, Klinikärzten verschiedener Fachgebiete, Physiotherapeuten und anderen Experten. So soll auch bei hartnäckigen chronischen Schmerzen eine Besserung erzielt werden können. Ulrich Köster hat seit Anfang April auch die Ermächtigung, Schmerzpatienten kassenärztlich ambulant zu behandeln; Voraussetzung ist, dass der Patient eine Überweisung vom Haus- oder Facharzt oder aus einer der Marienhospital-Ambulanzen mitbringt. Außerdem sollte der Patient beim Gespräch mit Dr. Köster alle Vorbefunde dabeihaben und bereits den ausführlichen „Deutschen Schmerzfragebogen“ ausgefüllt haben, den er im Vorfeld zugeschickt bekommt. Ulrich Köster untersucht den Patienten, führt mit ihm ein Beratungsgespräch und empfiehlt dann dem behandelnden Haus- oder Facharzt ein Therapiekonzept. Ambulante Patienten selbst therapieren oder etwa Physiotherapie oder Akupunktur verschreiben darf Ulrich Köster nur in bestimmten Ausnahmefällen. „Meist bleibt das aus kassenrechtlichen Gründen dem überweisenden Arzt vorbehalten“, sagt er. Eine Schmerzbehandlung kann, je nach Schmerzursache, auf unterschiedliche Art erfolgen; von der Therapie mit Tabletten, Spritzen oder einer Schmerzpumpe bis hin zu Akupunktur, TENS-Therapie mit elektrischen Nervenimpulsen, Physiotherapie oder Psychotherapie. „Voraussetzung für eine gute Diagnose und Behandlung ist in der Schmerztherapie immer das ausführliche Gespräch mit dem Patienten“, so Dr. Köster. Dies wird allerdings Schmerztherapeuten von den Krankenkassen bei ambulanten Patienten mit weniger als 15 Euro vergütet. „Für ein mindestens halbstündiges Gespräch ist das ziemlich wenig“, so der Facharzt. Und hat ein Schmerzexperte auch selbst schon mal Schmerzen? „Ja, als junger Anästhesist habe ich über einen längeren Zeitraum unter heftigen Rückenschmerzen gelitten“, sagt Dr. Köster. Er habe aber schließlich herausgefunden, woher die Schmerzen kamen. Sie seien entstanden, weil er sich zum Protokollieren des Narkoseverlaufs täglich acht Stunden lang alle fünf Minuten in unbequemer Haltung nach vorn beugen musste. Statt zu Schmerzmitteln griff Ulrich Köster zu einer anderen Form der Selbsthilfe; er brachte das Protokollformular in einer bequemeren Höhe an, damit er sich zum Protokollieren nicht ständig nach vorn beugen musste. Und außerdem bestellte er fünf Kubikmeter Erde für den heimischen Garten und legte diesen damit neu an. „Das hat meine Rückenmuskulatur so trainiert, dass danach die Schmerzen verschwunden waren“, sagt Dr. Köster. Er räumt aber zugleich ein, dass die Schmerztherapie leider nicht in allen Fällen so einfach zu bewerkstelligen sei wie in seinem persönlichen Fall. Und er betont: „Starke Schmerzen, gleich welcher Art, sollte man nicht über einen längeren Zeitraum unbehandelt lassen. Sonst können sie chronisch werden.“ |
11.04.2008
