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Beisetzung der Schiller Nachfahren
Der 2. Akt eines Trauerspiels: Komme ich ins Fernsehen?

Mit festem Blick in die Kameras hielt der evangelische Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich die Grabansprache bei der Beisetzung der sterblichen Überreste der Schiller Nachfahren.

Das "wissenschaftliche" Projekt "Der Friedrich-Schiller-Code" ging somit in Stuttgart in die zweite Runde des Trauerspiels um die Frage, welcher Totenschädel in Weimar denn nun Friedrich Schiller zuzuordnen sei.

Das Projekt mit dem wohlklingenden Namen scheint vor allem von medialem Interesse zu sein. Während der MDR stets betont, dies sei ein Gemeinschaftsprojekt der Klassik Stiftung Weimar und des Mitteldeutschen Rundfunks, lässt sich unter den Forschungsprojekten der Stiftung kein Hinweis darauf finden. Und doch behauptet die Projektleiterin, dass die wissenschaftliche Fragestellung die Exhumierung der Schiller Nachfahren legitimiert und entschuldigt sich gleichzeitig für die Störung der Totenruhe.

Der wissenschaftlich Wert der Störung der Totenruhe ist hingegen dem Vertreter der Stadt Stuttgart klar geworden, der die Entscheidung für die Zerstörung des denkmalgeschützten Grabes und gesetzlich zulässige, aber ethisch abzulehnende Grabschändung wacker vertritt. Schreibt doch der MDR selbst: "Über eine ausführliche Erarbeitung der Genealogie der Familie Friedrich Schillers werden die Verwandten festgestellt, die für DNA-Vergleiche in Frage kommen. Vorrangig geht es um weibliche Verwandte, da nur die mitochondriale DNA unverändert vererbt wird und in sterblichen Überresten lange Zeit stabil bleibt."

Nun zu dem wissenschaftlichen Nachweis, dass keine weiblichen Verwandten Friedrich Schillers in dem Grab beigesetzt sind, hätte das Lesen des Grabsteins vollkommen ausgereicht. Ist dort doch wissenschaftlich peinlichst genau aufgeführt, dass hier sein Sohn Carl, seine Schwiegertochter Mathilde und sein Enkel Friedrich fast 100 Jahre ungestört ruhten.

Wenigstens die Sorge von einigen Anwesenden, ob die Bürger auch noch diese fragwürdige Aktion bezahlten, kann beiseite gewischt werden. Natürlich werden sämtliche Kosten vom MDR übernommen - mit Hilfe der Rundfunk- und Fernsehgebühren. Na Gott sein Dank!





21.04.2008