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Aktion im Haus Martinus
Age Explorer verdeutlicht Leben im Alter

Mit einer ungewöhnlichen Aktion demonstrierte das Haus Martinus, mit welchen Schwierigkeiten Menschen im Alter zu kämpfen haben.

Mit Hilfe eines speziellen Anzuges, dem Age-Explorer, der die Beeinträchtigungen und Einschränkungen eines 80ig jährigen Menschen simuliert, konnten Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin von Stuttgart Mitte, Barbara Czimmer-Gauss von den Stuttgarter Nachrichten und Ulrich Ahlert, Caritasdirektor, diese Erfahrungen am eigenen Leib machen.

Der Age-Explorer wurde Anfang der 90iger Jahre konzipiert, um Produktentwicklern die Möglichkeit zu geben, ihre Erzeugnisse auf die Bedienfreundlichkeit durch alte Menschen zu testen. Bandagen an Knien und Ellenbogen behindern die Gelenke wie bei einer Arthrose in ihrer Bewegungsmöglichkeit. Gewichte an Armen und Beinen verdeutlichen den Muskelabbau und die damit verbundene Anstrengung beim Treppensteigen. Ein Helm, der die Hör- und Sehfähigkeit stark einschränkt, zeigt, wie schwierig die Kommunikation mit der Außenwelt ist, wenn diese Sinnesorgane im Alter eingeschränkt sind.

Veronika Kienzle machte sich dennoch mutig auf, durch die Rathauskantine und über das Treppenhaus in die Bibliothek zu gelangen, um dort zu spüren, wie schwierig alltägliche Dinge werden können. Bücher, die in der untersten Regalebene stehen, werden unerreichbar und die Bedienung einer Computermaus wird mit den Bewegungseinschränkungen zum Lotteriespiel. Ulrich Ahlert wollte es sich nicht nehmen lassen, auf dem Rathausplatz in ein Café zu gehen, doch bereits der Weg dort hin mit den vielen Stufen und unterschiedlichen Bodenbelägen war bereits eine Herausforderung. Die viel zu klein gedruckte Speisekarte zeigte schnell, dass es einfacher ist, etwas Bekanntes zu bestellen.

Alle Testpersonen waren sich dann auch schnell einig, dass diese Einschränkungen doch einen anderen Blick auf die Wirklichkeit von alten Menschen vermitteln können. Gerade die verminderten Fähigkeiten der Augen und der Ohren verdeutlichte, dass eine mögliche Vereinsamung im Alter auch mit diesen eingeschränkten Fähigkeiten zu tun haben kann.

Als erste Idee aus diesen Erfahrungen regte Kienzle an, gemeinsam mit Gerhart Schröder, Leiter des Haus Martinus, einen seniorengerechten Spazierweg um das Haus Martinus zu planen, der all diesen Einschränkungen Rechung trägt und die Lebensqualität in Stuttgart Mitte verbessern könnte.

Im Bild: Veronika Kienzle, Bezirksvorsteherin von Stuttgart Mitte, mit dem Age-Explorer



06.07.2008