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Anerkennende Ich-Botschaften
Spielraum - Heilpädagogik mobil
Es ist natürlich ein elementares Bedürfnis von Eltern, ihre Kinder zu leiten, ihnen zu zeigen, wie, wann und warum etwas gemacht werden soll. Ihm liegt das Bestreben zugrunde, Kinder lebenstüchtig zu erziehen, so dass sie in der Gesellschaft mit Anstand überleben können. Ich mache gerade mal wieder eine ganz besondere Erfahrung mit einem Jungen (natürlich Felix), der jetzt in die zweite Klasse geht. Schon in der Vorschule galt Felix als Kandidat für die Sonderschule, Typ L (für lernschwache Schüler). Gemeinsam mit der Mutter setzten wir durch, dass Felix in die reguläre Grundschule eingeschult wurde. Nach kurzer Zeit schlug die Lehrerin die Hände überm Kopf zusammen – Felix sei in einer normalen Klasse unbeschulbar. Meine Beobachtungen im Klassenzimmer bestätigten ihren Eindruck. Trotzdem ließen wir uns nicht beirren. Parallel zu Schule betreute ich Felix beim Lernen. Ich erlebte ein Kind, welches sich nur kurz konzentrieren konnte und für Aufgaben, die normalerweise vielleicht 20 Minuten in Anspruch nehmen würden, mehr als 90 Minuten brauchte. Reichlich Anlass für Ermahnungen, Antreiben etc. Mir war es aber besonders wichtig, dem Jungen die Motivation zu erhalten, die er wie jedes Kind welches ich kenne, anfangs in die Schule mitbrachte. Also stellte ich einen Timer auf, mit dem ich 3 Minuten Aufmerksamkeitsspanne markierte. Danach spielten wir 3 Minuten mit dem Ball "Kirschen essen". Dann wieder 3 Minuten arbeiten. Jedes Mal am Ende der 3 Minuten Aufmerksamkeit sagte ich: "Hey, Felix, es hat mir gut gefallen, wie du jetzt gearbeitet hast. Du hast nur noch 5 Mal unterbrochen. Klasse! Weiter so." Lange Zeit fehlte jedes Mal, wenn wir arbeiten wollten, ein Heft, bestimmte Stifte, Schere, Hausaufgabenaufschriebe etc. Ich blieb dran und sagte jedes Mal: "Hey Felix, heute hast du ja sogar an das Mathe-Heft gedacht!" Irgendwas hat er ja schon immer dabei gehabt, also gab es auch immer etwas anerkennend zu erwähnen. Später konnte ich dann sagen: "Wow. Jetzt konnte ich ungestört für 7 Minuten an meiner Aufgabe arbeiten. Ich bin fast fertig geworden!" Und auf ging’s zum Ballspielen. Was ich also vermieden habe, war Kritik. Stattdessen habe ich nach Dingen gesucht, die ich anerkennenswert fand. Mit der Zeit fiel es mir immer leichter. Aber das Beste und Wichtigste war: Felix Antrieb ist stärker als zuvor. Er startet seine Hausaufgaben motiviert und engagiert. Sein Arbeitstempo ist hoch, genau wie die Konzentration. 20 Minuten am Stück völlig selbständig – kein Problem. Er erledigt seine Aufgaben nach Plan und hat immer notiert, was er auf hat. Dabei funkelt immer mehr sein blitzender Verstand auf. Am Ende unserer Stunde höre ich oft: "Mit dir macht es mir immer richtig Spaß zu lernen". Ja, der Junge sollte auf die Sonderschule. Und der Arzt hatte ihm schon Ritalin verschrieben … Ich bin Felix sehr dankbar, weil ich an ihm so wunderbar die Kraft der Anerkennenden Ich-Botschaft erfahren durfte. Die Anerkennende Ich-Botschaft ersetzt übrigens vollständig das LOB. Lob ist eine Du-Botschaft mit der ich ein Urteil über den Anderen fälle: "Das hast du gut gemacht!" "Du bist ein tüchtiger Junge!" "Du bist doch intelligent genug." All diese Botschaften sagen etwas über den Anderen aus und nicht über mich. Auch wecken sie - wenn nicht Widerstand - so aber doch eine gewisse Scham. Ich-Botschaften handeln von mir selbst und beschreiben, was der Andere tut, welche positiven konkreten Folgen es für MICH hat und wie ich mich dabei fühle. Dadurch erhält der Andere die INFORMATION, was sein Verhalten für mich bedeutet. Und ehrlich – Kinder sind ebenfalls sehr zufrieden und glücklich, wenn sie spüren, dass ihre Eltern es mit ihnen auch sind. Und so sind sie aufgebaut: Beschreibung des Verhaltens (V), der konkreten spürbaren Folgen (F) und der Gefühle, die in mir entstehen (G). Beispiel: "Dadurch, dass ihr während der Autofahrt so ruhig gewesen seid (V), konnte ich mich ganz auf den Verkehr konzentrieren (F) und bin jetzt viel weniger erschöpft als bei den anderen Fahrten (G)." Zusammenfassung: Anerkennende Ich-Botschaften
Probieren Sie es aus. Üben Sie. Suchen Sie nach Dingen, die anerkennenswert ist. Und wenn es nur der Start in die zweite Hälfte des Schuljahres ist, wie z.B.: "Ich finde es klasse, wie diszipliniert du heute morgen aus dem Bett gekommen bist. Da spüre ich, dass ich mich immer mehr auf dich verlassen kann. Dadurch fühle ich mich richtig erleichtert." Erwähnen Sie Dinge, die scheinbar selbstverständlich sind. Wenn Sie mehr über gesunde Kommunikation erfahren wollen, melden Sie sich auf www.spielraum.net/kontakt.html zum Themenabend "Félix, lass das!" (www.spielraum.net/Felix_lass_das.html) am 18. Januar um 20 Uhr an. Wenn Sie Ihr Wissen in Fähigkeit verwandeln wollen, empfehle ich Ihnen das Training zu gesunden Kommunikation, welches am Montag, den 25. Januar beginnt. An 10 Montag-Abenden trainiere ich mit Ihnen Aktiv Zuhören, effektive Ich-Botschaften, gemeinsam Regeln aufstellen und vieles mehr, so dass Erziehen wieder Freude macht. www.spielraum.net/Gordon-Familientraining.html Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche! Ihr Kay Rurainski Ihr Kay Rurainski +++ Spielraum - Heilpädagogik mobil Inh. Kay Rurainski Römerstraße 66 70180 Stuttgart Telefon 0711 292858 www.spielraum.net |
18.01.2010
